Vergangenheit und Gegenwart – eine Zeitreise

Vergangenheit und Gegenwart – eine Zeitreise

Anlässlich eines Jahreswechsels ertappt man sich, dass man zurückschaut auf das Gewesene und – je älter man wird – gehen die Gedanken auch 50 Jahre oder gar 70 Jahre zurück. Dadurch ergeben sich interessante Vergleiche, auch ohne darin zu schwelgen: „früher war alles besser“. Diese Vergleiche kann der geneigte Leser gern selbst anstellen. Meinem Vergleich gilt nur der Versuch einer sachlichen Gegenüberstellung.

Wertestellung
Also fangen wir ganz einfach einmal bei den Sonn- und Feiertagen an, denn diese hatten wir in den letzten Wochen sehr reichlich. Besonders an diesen Tagen fällt ein Wandel auf, hin zum Profanen, denn auch kurz nach dem 2. Weltkrieg, so um 1948, war es an Sonn- und Feiertagen üblich, dass man sich schick anzog. Er zog den guten Anzug an und die guten Schuhe, sie zog das gute Kleid an. Selbst die alte Tante oder Großmutter, die Wochentags stets in einem bunten Kittel herumlief – am Sonntag wurde ein Kleid angezogen und darüber kam eine stets saubere weiße Schürze.
Man würdigte den „arbeitsfreien Feiertag“ bewusst. Das war damals in ganz Deutschland gleich, im Osten, in der SBZ (sowjetisch besetzte Zone, auch kurz Ostzone genannt) genauso wie hier im „freien“ Westen.

In den folgenden 20 bis 30 Jahren wurde hier im Westen daraus förmlich ein „Schaulaufen“ man zeigte, was man sich leisten konnte und man war besonders stolz darauf, auf das, was man sich angeschafft hatte.
Wer dann hier gar in die Oper, oder ins Theater ging, legte noch einen drauf, die Damen erschienen in langer Robe, die Herren im schwarzen Anzug mit am Hals geknüpfter Fliege.
Diese Wertestellung strahlte hier im Westen sogar in die Arbeitswelt aus. Wer es im Beruf zu etwas gebracht hatte, gar etwas mehr verdiente zeigte das durch seine Kleidung – unter manchem grauen oder weißen Kittel blitzte immer öfter eine Krawatte hervor, das Auto für den Sonntagsausflug wurde immer größer, man fühlte sich besonders aufgewertet Mitglied in einer bestimmten Ersatzkrankenkasse sein zu dürfen.

Jetzt 50 bis 70 Jahre später fragt man sich, wie hat sich die Wertevorstellung in unserem inzwischen wiedervereinigten Land geändert? In der Arbeitswelt bestimmen Arbeitsschutz-, oder Hygieneschutzbestimmungen welche Kleidung man trägt oder tragen darf.
Im klassischen Konzert beobachtet man Zuhörer, die nach Ende eines Konzertes frenetisch Applaudieren aber im oben offenem Sporthemd und mit Jeanshose im Zuhörerraum sitzen.
Ob wir einen Sonn- oder Feiertag haben, oder ob es ein gewöhnlicher Arbeitstag ist, aus bestimmten Wertevorstellung heraus werden diese Tage nicht mehr beachtet. Außerdem, man schaue sich doch auch einmal in einer Sitzung des Velberter Stadtrates um, um fest zu stellen, wer und wie man dem hohen Hause, dass letztlich die Geschicke einer ganzen Stadt lenkt, seine Wertevorstellung bekundet.

Im Osten Deutschlands verlief die Entwicklung der Wertevorstellung nach Gründung der DDR, dem ersten sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden und spätestens nach dem Mauerbau, direkt anders. Es war verpönt persönliche Wertevorstellungen zu haben. Es zählte ausschließlich das Kollektiv. Gleichheit für alle war im real existierenden Sozialismus oberstes Gebot.

Lebenshaltung
Ein weiterer Vergleich scheint auch recht interessant zu sein. Als Metallfacharbeiter verdiente man hier im Westen vor etwa 60 Jahren so um 500 DM als Bruttolohn. In Langenberg etwas weniger, in Velbert schon etwas mehr. Bestimmt etwas mehr in Wuppertal oder gar in Düsseldorf. In Ostdeutschland lag der Lohn vergleichsweise bei 400 Mark.
Von dem Einkommen musste der Lebensunterhalt bestritten werden, was bei einem Single etwas einfacher war, bei einer Familie schon etwas schwieriger. Aber es klappte irgendwie. Für den Staat musste man für die Lohnsteuern und Sozialabgaben so über den Daumen gepeilt etwa 25 Prozent abzweigen. Für ein Brötchen bezahlte man damals fünf Pfennige. Das Briefporto lag bei einem Groschen. 60 Pfennig kosteten eine Straßenbahnfahrt von Langenberg bis nach Wuppertal. Wer sich einen PKW leisten konnte zahlte für einen Liter Normalbenzin ganze 35 Pfennig. OK – technische Geräte waren im Verhältnis ziemlich teuer. Aber Wohnungsmieten waren erschwinglich, zumal die Wohnungsausstattung sehr bescheiden und die Räumlichkeiten beschränkt waren. Teilweise lag der Preis für einen Quadratmeter Wohnraum unter einer DM. Die Umsatzsteuer lag bei sechs Prozent, ab 1968 lag sie dann bei zehn Prozent und heißt seitdem Mehrwertsteuer.

Und heute? Laut zugänglicher Statistik im Internet erhält ein Metallfacharbeiter jetzt monatlich etwa 3.500 bis 4.000 Euro als Bruttolohn, also viel mehr als das 10-fache wie vor 60 Jahren. Für Lohnsteuern und Sozialabgaben sind über 40 Prozent an den Staat und vom Staat zugelassene Institutionen abzuführen. Für ein Brötchen zahlt man bis zu 30 Cent. Das Briefporto liegt bei 70 Cent. Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Langenberg bis nach Wuppertal kostet mehr als 5 Euro. Das gebräuchlichste Benzin für Autos kostet zwischen 1,30 und 1,40 Euro. Wohnungsmieten sind enorm gestiegen, zusätzlich aber auch der Wohnkomfort. Die Mehrwertsteuer beträgt zurzeit 19 Prozent.

Alle Beträge – Einnahmen genauso wie Ausgaben – sind gestiegen. Die einen mehr, die anderen weniger. Nur wem haben diese horrenden Steigerungen eigentlich genutzt? Den fleißigen Arbeitnehmern eigentlich nicht. Real bekommen sie zwar mehr Geld für ihre geleistete Arbeit, haben aber auch mehr oder höhere Ausgaben.
Sich zum Beispiel Eigentum anzuschaffen, um damit fürs Alter vorzusorgen, funktioniert heute genauso wenig, wie vor 60 Jahren, ohne der Mithilfe einer Ehefrau oder eines Partners.

Wie es aussieht, hat sich aber einer bereichert, unser Staat und das nicht nur real, sondern besonders prozentual. Bekam der Staat damals vor 60 Jahren etwa 30 Prozent vom Erwirtschafteten eines Arbeitnehmers durch festgesetzte Steuern und Sozialabgaben, so sind es heute über 60 Prozent.
Jährlich wird vom Bund der Steuerzahler ein Gedenktag benannt, der irgendwann im Juli liegt und den Zeitpunkt markiert, ab dem ein Arbeitnehmer bis zum Jahresende für sich persönlich arbeiten kann. Das vom 1. Januar bis dahin erwirtschaftete musste für Steuern und Sozialabgaben an den Staat und seine Institutionen abgeführt werden.

Nur wie geht der Staat mit dem, den fleißigen Arbeitnehmern, in derzeit nie dagewesenen Mengen abgenommenen Geldes um?
Orientiert man sich in den Medien, so wird immer öfter beklagt, dass die Kinderarmut, aber auch die Altersarmut bedrohlich zu nimmt. Immer öfter sind bestimmte Bevölkerungsgruppen auf die Tafeln angewiesen, die es früher vor 100 Jahren schon einmal gab und damals noch „öffentliche Suppenküchen“ hießen.
Andererseits wird Deutschland seitens der linken Politik als überaus reiches Land deklariert und aufgefordert mehr für Flüchtlinge zu tun, die zu Hauf von Afrika und aus Nahost nach Europa und besonders nach Deutschland drängen.
Dabei wird überhaupt nicht auf die ebenfalls vom Bund der Steuerzahler installierte Schuldenuhr geschaut, die dank äußerst guter wirtschaftlicher Voraussetzungen derzeit rückwärts läuft, aber immer noch nahezu 2 Billionen Euro Schulden, welche Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam bei den Banken haben, anzeigt. Zwei Billionen ist eine Zahl mit einer zwei am Anfang und zwölf Nullen dahinter.

Unser Energieproblem
In einem dritten Abschnitt möchte ich mich noch an die Problematik mit der Energie, insbesondere an elektrischen Strom Erinnern.
Als Kind wuchs man ohne nachzudenken mit der modernen Technik auf, bis man merkte, wie kostbar elektrischer Strom eigentlich ist, wenn man ihn nicht hat. Und das nicht Haben hing wieder mit dem Ende des zweiten Weltkrieges vor 73 Jahren zusammen.
Die Ressourcen an Kohle, aus denen damals fast ausschließlich elektrischer Strom gewonnen wurde waren äußerst knapp. Deshalb musste Strom gespart werden, in dem man ihn einfach an den zentralen Schaltstellen abschaltete.
In den dunklen Wintermonaten, pünktlich so gegen 17:00 Uhr ging überall in den Städten und Dörfern das Licht aus und nach drei bis vier Stunden wieder an, egal ob an Werktagen oder sonntags.
Hier in den von den westlichen Alliierten besetzten Zonen, waren es nur wenige Jahre bis sich die Energieversorgung entspannte, in der Ostzone hingegen dauerten die Stromsperren bis in die 50er Jahre hinein an.
Nur eins war damals hier wie dort bemerkenswert, der Ideenreichtum, mit denen sich die Menschen selbst zu helfen versuchten, um Licht ins Dunkel zu bringen. Dazu nutzte man zu nächst einmal Kerzen, ganz sparsame Leute hatten ein so genanntes Hindenburglicht. Das war eine kleine unbrennbare Schale, in die man einen Docht klemmte und mit Resten von Kerzenwachs auffüllte. Eine Füllung reichte um etwa zwei Stunden Licht zu haben. Die altbekannte Petroleumlampe kam zum Einsatz, aber auch Karbidlampen. Wer es sich leisten konnte hatte eine moderne Benzinlampe, in der Benzin in einem integrierten Behälter unter Druck gesetzt wurde, welches dann über eine Düse zerstäubt in einem Leuchtstrumpf nach dem entzünden regulierbar auch sehr helles Licht erzeugte.

Eine weitere Erinnerung betrifft die Zeit vor etwa 50 Jahren. Die Zeit als man anfing mittels Atomreaktoren elektrischen Strom zu erzeugen. Auf einmal war Strom im Überfluss vorhanden obwohl die privaten Haushalte immer moderner wurden und durch den Einsatz von Elektrogeräte, immer mehr Energie benötigten, bzw. in der Industrie immer mehr und größere Maschinen angeschafft wurden.

Überkapazitäten an Strom wurden den Gesetzen des Marktes folgend verbilligt abgegeben. Nachtstrom kostete damals pro Kilowattstunde unter vier Pfennig. Normaler Strom im Tagesverbrauch lag bei acht Pfennig. In der Folgezeit wurden Großverbraucher von elektrischem Strom geächtet, weil sie eine Energieform ge- oder verbrauchten, die sehr zentral erzeugt wurde, aber auf dem Weg zur Verbrauchsstelle über lange Stromleitungen in ihrer Wirksamkeit viel Energie verlieren würde.

Heute, 50 Jahre später, haben wir die Zeit der Energiewende. Elektrischer Strom soll in naher Zukunft nicht mehr durch fossile Brennstoffe oder mittels Atomreaktoren erzeugt werden. Nur noch erneuerbare Energie wird favorisiert und soll über kilometerlange Stromtrassen zum Verbraucher geführt werden, denn „Sonne und Wind stellen ja keine Rechnung“.

So einfach wird es dargestellt, nur wie sieht die Wirklichkeit aus? Unterstellen wir, dass genügend technische Geräte zur Verfügung stehen mit ausreichender Dauerhaftigkeit, trotzdem werden wir damit nur Flatterstrom erzeugen. Das heißt: der Wind weht mal kräftiger, mal weniger und vielleicht auch einmal gar nicht. Ähnlich sieht es mit der Sonne aus. Am Tag scheint die Sonne einmal länger oder kürzer, in der Nacht überhaupt nicht.
Man braucht also Energiepuffer. Jedoch Energiepuffer, die nicht nur für Minuten, sondern für sehr lange Perioden ausreichend sind. Fachleute wissen das, aber wohl nicht Ideologen.
Gewissenhafte Fachleute beginnen eine neue Technik auch dann erst einzusetzen und die alte Technik abzuschalten, wenn die neue Technik vollumfänglich erfolgreich ihre Tests bestanden hat.

Das dem aber wohl noch lange nicht so ist, konnte man in der Presse am 2. Januar lesen. Dort wird berichtet: „Der Ausbau der erneuerbaren Energie setzt das deutsche Stromnetz immer stärker unter Druck. Der Stromnetzbetreiber Tennet, der das Netzgebiet zwischen Nord- und Süddeutschland betreibt musste deshalb in 2017 für Noteingriffe fast eine Milliarde Euro aufwenden, um das Netz stabil zu halten“.
Das heißt zum Beispiel auch, dass ein zeitweise zu viel an Strom wie auch immer entsorgt werden musste, denn es gibt ja keine entsprechenden Speicher. Dass die „Entsorgungskosten“ den Stromkunden zusätzlich aufgebürdet werden, ist obligatorisch.

Ich hoffe, dass ich ein wenig zum Nachdenken anregen konnte. Wer die Zeit vor 70 Jahren miterlebt hat, sollte eigentlich nichts mehr erschüttern können. Wer die Stromsperren kennt, kann sich noch erinnern, wie damals das Leben stehen geblieben ist. Reine Handarbeit, auf ganzer Linie war angesagt und das stelle man sich einmal im Zeitalter des Computers und der Digitalisierung vor.

Velbert 5. Januar 2018
Dietger Döhle